Wesel

Initiative für Trauernde

Wesel. Das Wichtigste zuerst: Richtig oder falsch gibt es nicht. Wenn Menschen trauern. Weil jeder anders trauert. Hannelore Schmidt weiß, wovon sie spricht. Sie leitet die Trauergruppen der Hospiz-Initiative Wesel, in der sich Menschen treffen, die ihren Lebenspartner oder ihre Lebenspartnerin verloren haben. „Dort sitzen acht Menschen mit acht Formen von Trauer.“ Was allen gemeinsam ist, ist das Gefühl, plötzlich den Boden unter den Füßen verloren zu haben. „Da ist ein riesiges Loch, von heute auf morgen gilt nichts mehr, was mal war. Die Hälfte von einem selbst ist verschwunden, Werte verschieben und verändern sich.“ Eine Phase, in der Begleitung helfen kann. Wie sie Hannelore Schmidt und die Hospiz-Initiative anbieten. Im November startet wieder eine neue Gruppe.

Maximal zehn Personen kommen in diesen Gruppen zusammen. Anfangs treffen sie sich wöchentlich, dann alle 14 Tage und in noch größeren Abständen, bis das Angebot im Frühsommer endet. Die Gruppe ist gedacht als „Begleitung eines Trauerweges, ein geschützter Raum, in dem Vertrauen wachsen und in dem sich jeder öffnen kann, wenn er möchte“. Für die ersten Termine bereitet Hannelore Schmidt Themen vor, „später gestalten die Gruppen immer mehr selbst.“ Es wird geredet, über Gefühle, über Angst und Wut, es wird geweint und auch viel gelacht. Viele stellten sich die Frage: „Bin ich noch normal?“ Denn sie litten unter Schlaflosigkeit oder Vergesslichkeit, würden mit Wut und Tränen kämpfen und sagen: „Das kenne ich gar nicht von mir.“ In der Gruppe aber säßen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.

Dass die heute 61-jährige Hannelore Schmidt sich als Trauerbegleiterin engagiert, ist kein Zufall. Trauer, sagt sie, sei ein Lebensthema für sie, bedingt durch eigene Verluste. 15 Jahre war sie bei der Telefonseelsorge aktiv. Eine bereichernde Erfahrung, „aber mir hat der direkte Kontakt mit den Menschen gefehlt“. So kam sie 2008 zur Hospizinitiative, zunächst als ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Hier erlebte sie oft die Hilflosigkeit der Angehörigen, ein Motiv, 2011 eine anderthalbjährige Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu beginnen. Wissen ist überhaupt für sie ein wichtiger Punkt, auch heute bildet sie sich ständig weiter fort, liest viel zu ihren Themen, wie die große Sammlung im Bücherregal belegt.

Die Trauergruppen sind zeitlich begrenzt, auch wenn sich viele Teilnehmer mehr Zeit wünschen würden. „Wir haben bewusst eine Grenze gesetzt, begleiten die Menschen ein Stück in ihrer Entwicklung. Und wenn sie nach dieser Zeit gehen, dann merke ich, dass sie gut auf sich schauen.“ Sie könne niemandem die Trauer nehmen, aber helfen, damit umzugehen. „Es hat gut getan, darüber zu reden“, ist die Rückmeldung, die Hannelore Schmidt immer wieder am Ende der Gruppen bekommt. Sie erlebt dann Menschen, die den Alltag nach und nach wieder annehmen, die auch Lebensfreude wieder zulassen. Obwohl die Trauer bleibt. Nur in veränderter Form. Es könne immer wieder den einen oder anderen Auslöser geben, noch nach Jahren und Jahrzehnten, dass der Schmerz für einen Moment wieder hochkomme, dass Tränen fließen würden. „Und das darf auch sein.“

Wer sich für die Trauergruppe interessiert:

Hospiz – Initiative Wesel

Telefon 0281-44255094

www.hospiz-wesel.de

Email: info@hospiz-wesel.de

Foto:Privat

 

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