Duisburg

7 von fünf möglichen Sternen für das Sham

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Duisburg. Große lange gedeckte Tafel, frische dunkle rote Rosen und passende rote Servietten schmücken die Tische, Kerzenschein erfüllt zusätzlich das Restaurant Sham. Ein Ehepaar aus dem Rheinberger Stadtteil Orsoy ist beim Betreten begeistert: „Oh, wie stilvoll und gemütlich eingedeckt.“ Aus dem Arabischen übersetzt heißt Sham „der Schein“ – wegen ihres Glanzes nennen Syrer ihre Hauptstadt Damaskus auch Sham. Und den Glanz in das Restaurant am Stielmuspark in Neumühl bringt der syrische Koch Yamen Kadour und sein Team mit ihrer Landesküche.

 

Zwischen der Flucht aus Damaskus und dem geplanten Testessen im Sham mit der Staatssekretärin für Integration, Frau Serap Güler, Herrn und Frau Link, Norbert Büsch und Annett Swoboda, Geschäftsführer und Marketingleiterin der Handwerksbäckerei Büsch sowie Sigrid Baum, der Vorsitzenden des Presseclub Niederrhein, sind für Yamen Kadour etwas mehr als zweieinhalb Jahre vergangen. Der studierte Jurist kam in Neumühl an, gerne nahm er an der Laufgruppe von Pater Tobias teil. Das machte den Kopf frei, Kadour lernte schnell Deutsch, zeigte sich ehrgeizig, machte im Projekt LebensWert vom sogenannten Marathon-Pater ein Praktikum und fing schließlich eine Kochlehre an. Seit einem Jahr verwandelt Yamen Kadour das Projekt-Café und -Restaurant freitags und samstags ab 18 Uhr in das syrische Restaurant. Er lebt seine große Kochleidenschaft aus, vermittelt seine Kultur und seine Leidenschaft für seine Heimat.

Durch den Geruch angelockt, mussten die Staatssekretärin und der Oberbürgermeister zunächst dem engagierten Noch-Koch-Azubi in der offenen Küche über die Schulter schauen. Es schien, als hätte Sören Link am liebsten selbst eine Kochschürze umgetan, mitgeholfen und an allen Gerichten genascht. Clevererweise brachte der OB nicht nur seine Frau Sonja, sondern auch seine Eltern mit, so dass er alle Speisen testen konnte. „Ich bin nicht nur bekennender Fan vom MSV“, schmunzelte der erste Bürger, der die arabische Küche mag. Serap Güler war begeistert nun endlich auch Pater Tobias Projekte selbst kennenzulernen: „Im Düsseldorfer Ministerium habe ich schon viel über diese vorbildlichen Projekte gehört, aber vor Ort ist es wesentlich spannender und eindrucksvoller.“ Sie erhielt viele Informationen aus erster Hand von Yamen Kadour.

Der sogenannte Gruß aus der Küche, die Vorspeise Tabouleh ein Petersiliensalat mit Bulgur, Tomaten, Zwiebeln, Olivenöl und Zitrone und dann Mandi (Hähnchen mit geräuchertem syrischen Reis, Nüssen und einem Joghurtsalat) als Hauptspeise überzeugte die Testgäste. Während so mancher Gast noch Platz für süße Fadennudeln mit Mozzarella, den sogenannten Knafeh, als Nachspeise hatte, überlegte Norbert Büsch, ob er nicht in seinen Filialen demnächst arabische Fladen mit Hummus anbieten sollte. „Als Brotsommelier sammele ich gerne Eindrücke und Geschmacksnuancen, ich denke in nächster Zeit werde ich Anregungen vom heutigen Abend verarbeiten“, gestand der Geschäftsführer aus Kamp-Lintfort, der seit etwa einem halben Jahr die Arbeit von Pater Tobias unterstützt.

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Selten so einig resümierten Politiker zweier Parteien, Serap Güler und Sören Link vergaben übereinstimmend für das Sham jeweils einen Stern für Küche, Ambiente, Service, Preis und Nachhaltigkeit für die Mehrfachnutzung der Restauration. „Sehr angetan bin ich von dem sozialen Aspekt, es ist ein positives Beispiel für wirkungsvolle Integration“, begründet die Staatssekretärin, wieso das Sham einen Extra-Stern verdient habe. Zusätzlich begrüßte OB Link die Bereicherung des Stadtteils durch das neue kulinarische Angebot: „Dafür müsste es einen siebten Stern von fünf möglichen geben. Dieses Engagement und Ideenreichtum um ein Quartier zu gestalten und Menschen Perspektiven zu eröffnen, macht mich als Oberbürgermeister sehr stolz.“

 

Nicht nur in Duisburg findet das Sham immer mehr Anklang, Yamen Kadour begrüßt regelmäßig Gäste aus den Nachbarstädten. Das Rheinberger Ehepaar hat übrigens die Erstellung und Anlieferung eines syrischen Büffets für 25 Personen zum Straßenfest ihrer Pumpengemeinschaft bestellt.

 

Fotos: (© Christian Voigt/Projekt LebensWert)

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